Straßenbau-vorhaben spalten die Gemeinde Wutha-Farnroda

Geschrieben von Vorstand gegen B88
Wutha-Farnroda (Wartburgkreis). Über die Sinnhaftigkeit von Straßenbauvorhaben wird in der Gemeinde gerade heftig diskutiert.

 

Da gibt es die Befürworter der Ortsumgehung der Bundesstraße B 88 zwischen Farnrodaund Eichrodt. Sie haben bei einer Mehrheit im Gemeinderat Gehör gefunden, als sich dieser entschieden hat, den Bau der Umgehungsstraße an die Umverlegung der Bundesstraße B 19 zwischen Etterwinden und Wutha-Farnroda zu koppeln.

 

Gegen eine neue B 19 mit Tunnel unterm Rennsteig spricht sich hingegen der BürgervereinMosbach aus. Zwar rückt die Trasse jetzt von Mosbach ab. Doch Mitglieder des Vereins bezweifeln die Notwendigkeit einer solchen Straße, die ihrer Ansicht nach unnötige Eingriffe in Natur und Umwelt bedeutet. Sie haben ein Bürgerbegehren gegen den mehrheitlich gefassten Beschluss des Gemeinderats beantragt.

 

Neue Initiative gegen Umgehung der B 88

Außerdem hat sich eine weitere Initiative gebildet, die wiederum Partei gegen die Umgehung der B 88 ergreift. René Meyer ist ihr Sprecher: "Für uns macht das Vorhaben keinen Sinn." Weil eine weitere Straße nur wieder weiteren Lärm nach sich ziehe. Die Initiative hat sich bisher vor allem im sozialen Netzwerk Facebook vorgestellt und rund 300 Unterstützer gefunden, insbesondere junge Leute.

 

Bürgerverein Mosbach und die Initiative wollen zusammen die nötigen Unterschriften für das Bürgerbegehren sammeln. Wie viele es sein müssen, steht noch nicht fest. Das wird gerade im Rathaus geprüft. Doch Enrico Gruhl aus Mosbach und René Meyer aus Wutha-Farnroda sind optimistisch, tausend Unterschriften zu bekommen.

 

Einige, so denkt Meyer, kriegt er auch von Anliegern der Ruhlaer Straße, und zwar von denjenigen, die dann vor dem Haus die alte B 88, abgestuft zur Gemeindestraße, und hinter dem Haus die neue Trasse hätten. "Vielen ist noch nicht klar, was das für ein Riesenbau wird", so Meyer. Er favorisiert Verbesserungen an der jetzigen Straße wie Flüsterbelag, Tempolimit oder Lkw-Verbot.

 

Wiederum Eberhard Weisheit, Vorsitzender des Bürgervereins pro B 88, geltend macht, dass "durch den Widerstand gegen Mitbürger der Gemeinde, vor allem gegen die Anwohner der B 88, gehandelt wird". Er verweist auf die sehr hohe Verkehrsbelastung in der Ruhlaer und Eisenacher Straße. Zulässige Lärmwerte würden tags und nachts weit überschritten.

 

Sondersitzung des Gemeinderats

Unterstützt wird er von Ernst Kranz von der SPD-Fraktion im Rat: "Bis zu 15.000 Fahrzeuge pro Tag in Eichrodt sind nicht hinnehmbar". Nur eine Umgehung der B 88 bringe Entlastung. Die Trasse würde vor Farnroda aus Richtung Thal in westlicher Richtung (nach links) abzweigen und mit einer Brücke über die Mosbacher Straße zur neuen B 19 geführt, die bei Eichrodt an den Kreisverkehr anbinden soll. "Das geht auch ohne Brücke mit Tunnel durch den Kohlberg", beugt Kranz schon mal Protesten aus der Mosbacher Straße vor.

 

Der SPD-Mann, der als Bundestagsabgeordneter im Verkehrsausschuss gesessen hat, rechnet vor: Der neue Bundesverkehrswegeplan, für den die B 19 und die B 88 angemeldet sind, wird voraussichtlich 2015 beschlossen mit 15 Jahren Gültigkeit. Zwar sieht der Koalitionsvertrag mehr Geld für Straßenbau vor, aber "wir müssen davon ausgehen, dass erst nach 2030 etwas passieren wird". Für Kranz macht das alles auch nur Sinn, wenn die Ortsumgehung Stockhausen kommt. Sonst rollt der Verkehr wieder durch Eichrodt zum Autobahnanschluss Sättelstädt. Angesichts der Zeiträume fragt sich der Abgeordnete: "Warum streiten wir uns? Wir haben Zeit, die Dinge unter uns zu regeln, sachlich und ohne persönliche Anfeindungen."

 

Wie dafür die Chancen stehen, wird man am Donnerstag sehen. Auf Antrag von elf Gemeinderäten ist eine Sondersitzung einberufen worden. Ein Tagesordnungspunkt ist die "Sitzungskultur im Gemeinderat".

 

Birgit Schellbach / 03.12.13 / TA
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