Stellungnahme BVWP 2030

Geschrieben von Vorstand gegen B88

Stellungnahme im Rahmen der öffentlichen Auslegung des BVWP 2030 zur Ortsumfahrung B 88 OU Wutha-Farnroda (B88-G70-TH)

Die BI „gegen-neue-b88“ hat den BVWP 2030 zur Kenntnis genommen und ist sich des erzielten Erfolges durchaus bewusst. Bewusst bedeutet für uns aber auch, dass wir unser Ziel nicht zu hundert Prozent erreicht haben. Unser weiterer Weg heißt nun, aus Verantwortung für die nächsten Generationen in Wutha-Farnroda, die Streichung der Ortsumfahrung B88 aus dem Bundesverkehrswegeplan zu erreichen. Dies möchten wir wie folgt begründen. 
 
1.
Nach unserer Auffassung ist die Anmeldung der OUB88 zum BVWP nicht gerechtfertigt. Die Begründungen die hierzu führten, sind nicht sachlich dargelegt bzw. falsch. In Wutha-Farnroda gibt es entlang der B88 schätzungsweise zu 80-90% Gehwege / Bürgersteige, die in den letzten Jahren an verschieden Abschnitten sogar aufwendig saniert wurden. Ein beliebter Radweg ist die Bahnhofstraße (alter Bahndamm), auf der man fast den gesamten Ort durchqueren kann und dies, ohne Berührung von Durchgangsverkehr. Es gibt keine Engstelle an der es Probleme mit LKW- Verkehr geben könnte. Wie kann man, angesichts dieser Bilder, zu dieser Auffassung kommen?

2.
Laut dem Demografieportal des Bundes und der Länder ist mit einem Bevölkerungsrückgang bis 2030 von 20-25% im Wartburgkreis, um ca. 20% in der Stadt Eisenach und einem durchschnittlichen Rückgang von 17,5% in ganz Thüringen zu rechnen. Wir sind daher der festen Überzeugung, dass die Entwicklung der Bevölkerungszahlen im direkten Zusammenhang mit den Verkehrszahlen auf der B88 zu sehen ist.  

Die Entwicklung der Verkehrszahlen in den letzten zehn Jahren liefert uns hier den Beweis für diese Annahme. Die Bevölkerung im Wartburgkreis, inklusive der Stadt Eisenach, ist von 2004 bis 2014 um genau 8,7% geschrumpft (Quelle Landesamt für Statistik). Im etwa gleichen Zeitraum von 2003 bis 2014 ist der Verkehr um 7,1% auf der B88 gesunken (Quelle BAST). Hiermit ist für uns der Beweis erbracht, dass die Verkehrsentwicklung den Zahlen der Bevölkerungsentwicklung in etwa folgt. Haben wir also einen Bevölkerungsrückgang von 20-25% (Quelle: Demografrieportal) im Wartburgkreis sowie einen Rückgang der Bevölkerung in Eisenach um bis 20% (Quelle: Demografieportal), dann folgt auch ein Rückgang der Verkehrsbelastung auf der B88 in etwa dem Wert der Bevölkerungsentwicklung. Also höchstwahrscheinlich um ca. 20% als Durchschnittswert zwischen dem Wartburgkreis und der Stadt Eisenach.
Dies o.a. Entwicklung der Bevölkerung im Nahbereich der B88, ist in dieser Form nicht in Ihre Berechnungen eingeflossen und stellt die Wirtschaftlichkeit der OU B88 in Frage. 

3.
Der Verlauf der OU B88 ist nach wie vor ein nicht akzeptabler Gegenstand.
Wir haben eine ca. 50 Meter hohe und ca. 500m lange Brücke über dem gesamten Ort. Diese Brücke stört im erheblichen Maße die Frischluftzufuhr zum Ortszentrum Wutha-Farnroda, da der Ort über die Täler aus Richtung Mosbach mit Frischluft versorgt wird.
Des Weiteren werden alle touristischen Anstrengungen der Gemeinde Wutha-Farnroda und auch aller anderen Gemeinden, die zur Region Hörselberg, Erbstromtal und Rennsteig gehören, zu Nichte gemacht. Eine solche Brücke lässt sich nicht mit einem „grünen Herzen Deutschlands“ vereinbaren.  

Die Engstelle, im Bereich der Kita Farnroda und des Naherholungsgebietes „Schloßpark“ (grüner Kreis Abb. 2), ist ein weiteres Indiz für die sinnfreie Wahl des Straßenverlaufs. Hier kommt die OUB88 ca. 300m nahe an die B88 heran. Für diese zwei wichtigen Punkte im Ort Farnroda entsteht hier keinerlei Vorteil. Im Gegenteil, die Beschallung des Ortsteils Farnroda von zwei Seiten, wird durch den Menschen auch als doppelte Belastung wahrgenommen. Man kann davon ausgehen, dass die Belastung durch die OUB88 steigt, da die Fahrzeuge die aktuell auf der B88 fahren, dann mit 100km/h über die neue Bundesstraße fahren. Dabei spielt es keine Rolle, zu welchem Prozentanteil die neue B88 die Alte B88 entlastet. Im Gegenteil: Je mehr Entlastung, bedeutet auch mehr Geschwindigkeitszuwachs. Zumal durch die angehobene Bauweise (Brücke und Kammlagen) die Geräuschemissionen, im Zusammenhang mit der weiter oben erklärten Frischluftzufuhr, über den ganzen Ort Wutha-Farnroda verteilt werden.
Eine Bestätigung hierfür ist die Diplomarbeit des Vorsitzenden des Bürgervereins Mosbach Enrico Gruhl. Dieser hat in seiner Diplomarbeit ausführlich aufgezeigt, welcher Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit der Fahrzeuge und Schallemissionen zu sehen ist. Herr Gruhl hat belegt, dass eine Temporeduzierung die bessere Lösung für Wutha-Farnroda ist.
Diese Erkenntnisse stellen den Bau der OUB88 unter humanitären Gesichtspunkten in Frage.  

4.
Am 14.09.2014 fand in der Gemeinde Wutha-Farnroda ein Bürgerentscheid statt. Eine überwältigende Mehrheit der Bürger Wutha-Farnrodas stimmte für den Bürgerentscheid und damit gegen einen Neubau der B88 und der B19.

Das amtliche Endergebnis lautete wie folgt:
Abstimmungsberechtigte: 5341 Bürger
Abgestimmt haben: 3045 Bürger
Ungültig Stimmen: 48
Gültige Stimmen: 2997
Für den Bürgerentscheid und damit gegen den Neubau der B88 und B 19n stimmten:
2002 Bürger (66,8%)
Gegenstimmen:
995 (33,2%)
Auch wenn dieser Entscheid der Bürger vor Ort keinen Einfluss auf die Bewertung der Neubaumaßnahme hat, so zeigt er deutlich die Ablehnung des o.g. Projektes vor Ort.  

Bleibt festzuhalten:
• Die OUB88 ist weder ein Vorteil für Natur und Mensch.
•Die OUB88 bringt nicht die gewünschte Verkehrsentlastung und durch den Geschwindigkeitszuwachs steigende Geräuschemissionen.
• Die OUB88 wird von der Bevölkerung nicht akzeptiert.
• Die Begründungen und Grundlagen der OUB88 sind haltlos. 

Es ist daher ein Umzudenken angebracht. Sinnvoll in die Zukunft investiert bedeutet für die BI „gegen-neue-B88“, das Geld der OUB88 dort einzusetzen, wo es aus unserer Sicht tatsächlich benötigt wird: Naturschutz, Bildung und Tourismus. Dies sind die drei Standbeine, auf denen der Ort Wutha-Farnroda genau das bleiben kann, was er immer war: Ein guter wirtschaftlicher Standort, in einer einzigartigen und wunderschönen Natur.

Mit freundlichem Gruß
René Meyer
Vorsitzender der Bürgerinitiative „gegen-neue-B88“ 

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